Kompetenzaufbau und Unterstützung bei herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Hintergrund

Aufgrund des demografischen Wandels sind Krankenhäuser von einem „Geriatrisierungsschub“ betroffen mit der Folge, dass auch immer mehr Menschen mit Demenz dort behandelt werden. Vier von fünf dieser Patient:innen zeigen ein so genanntes herausforderndes Verhalten, wie z. B. Unruhe mit Hin- und Weglaufgefährdung, ständiges Rufen oder abwehrendes und aggressives Verhalten bei Untersuchungen oder Behandlungen.

Der Umgang mit diesen Verhaltensauffälligkeiten ist für die Beschäftigten mit einem hohen zusätzlichen Stress verbunden. Es kann zu eskalativen Situationen kommen, die für die Betroffenen, die Mitarbeitenden und die Angehörigen sehr belastend sind und mitunter negative Konsequenzen für die Patientensicherheit haben.

Projektkonzeption Skills4Dem

Mit Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie will Skills4Dem Pflegefachpersonen im Krankenhaus beim Umgang mit herausforderndem Verhalten von Patient:innen mit Demenz unterstützen. Dazu wird ein innovatives digitales Lern- und Unterstützungssystem entwickelt, das in kurzen, anschaulichen Modulen Informationen über die komplexen Hintergründe von herausforderndem Verhalten arbeitsnah zur Verfügung stellt.

Eine App gibt zusätzlich Hilfestellung bei konkreten Belastungssituationen und macht Inhalte mobil zugänglich. Lern-Module und App werden in mehreren Sprachen entwickelt und adressieren damit auch Beschäftigte mit nichtdeutscher Muttersprache. Die Ergebnisse liegen Ende 2027 vor.

Zielgruppe und Nutzung

Die Zielgruppe der Lerneinheiten sind Pflegefachpersonen in Akutkrankenhäusern

Die didaktisch aufbereiteten Inhalte können von den Krankenhäusern für weitere Beschäftigtengruppen genutzt werden, wie z. B. Ärzt:innen und Angehörige der Therapieberufe.

Geplant ist, dass die „Lern-Nuggets“ von den Mitarbeitenden ortsunabhängig einzeln oder in ihrer Gesamtheit genutzt werden können. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit des gemeinsamen Lernens in Pflege- und Gesundheitsteams (z. B. in der Überlappungszeit zwischen den Schichten).

Die Einheiten sind aus Gründen der Akzeptanz auf einen Umfang von 10 bis 15 Minuten konzipiert und enthalten interaktive Elemente. Die Nutzung soll nach Fertigstellung kostenfrei ermöglicht werden.

Projektverantwortliche

Die Projektleitung und Softwareentwicklung obliegt dem Saarbrücker Unternehmen EUROKEY. Die fachlichen Inhalte des Unterstützungssystems werden durch das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso), Saarbrücken, identifiziert und aufbereitet.

Darüber hinaus evaluiert das iso-Institut die wissenschaftliche Güte und Praxistauglichkeit der Instrumente im Projektverlauf mit Unterstützung externer Fachgruppen.

Zur Bilanzierung des Vorhabens betrachtet das iso-Institut in der Transferphase zudem die Wirkungen des neuen Lern- und Unterstützungssystems auf die Patientensicherheit und auf die Entlastung von Pflegefachpersonen.